Ein „Arbeit&Techik-Blick“ auf das Thema Web 2.0

8. September 2009

Zusammenfassung bisheriger Erfahrungen und darauf aufbauender Einschätzungen

Seit einiger Zeit begleitet uns das Themenfeld Web 2.0 bzw. haben wir es in unseren „Beratungskanon“ aufgenommen, und zwar nicht von ungefähr: Arbeit&Technik steht für die Befassung mit Fragen der Arbeitsorganisation, zum einen hinsichtlich verschiedener Managementmethoden und Arbeitsformen und zum anderen hinsichtlich des Einsatzes von technischen Systemen am Arbeitsplatz.
In diesem Zusammenhang spielt die Weiterentwicklung von Internetanwendungen im Bereich des Web 2.0 auch in betrieblichen Kontexten eine wesentliche Rolle. Die Technik und ihre Einsatzvarianten durch eine Vielzahl unterschiedlicher NutzerInnen geben dabei mitunter die Richtungen für eine Befassung mit dem Thema vor.
Bereits im Frühjahr habe ich einen Blogeintrag dazu begonnen, wie ein erster Überblick über die bisherigen Erfahrungen aus Arbeit&Technik-Perspektive und eine Einschätzung der weiteren Entwicklungen aus derselben aussehen könnte – und diesen dann als Entwurf abgelegt. Die aktuellen Bewegungen im eBetriebsrat-Blog, die sich der Arbeit von Hans Christian Voigt mit BetriebsrätInnen und dazugehörenden Diskussionen verdanken, bieten einen guten Anlass, das Thema wieder umfassender aufzugreifen.
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Web 2.0 versus Privatsphäre – „Privatsphäre 2.0“?

7. August 2009

Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat im Auftrag der Bundesarbeiterkammer eine Studie zur Frage, wie es um Datenschutz und Privatsphäre in Österreich bestellt ist, durchgeführt:

„Privatsphäre 2.0. Beeinträchtigung der Privatsphäre in Österreich. Neue Herausforderungen für den Datenschutz.“

Ein wesentlicher Hintergrund dieser Frage liegt in den voranschreitenden technischen Entwicklungen, die privaten und beruflichen Alltag durchdringen, begründet.

„Hier setzt sich der Trend fort, dass neue Technologien die Möglichkeiten der Datengenerierung und deren Verarbeitung beständig und teilweise massiv erhöhen, die parallel stattfindenden Innovationen im Bereich datenschutzfördernde [!] Technologien aber kaum in der Realität genutzt werden.“ (S. I)

Der Arbeiterkammer zu Folge zeigt die Studie, „dass die allgemeinen Regeln im Datenschutzgesetz nicht immer genügen“. Ihre Forderungen:

    „1. Eine gesetzliche Infopflicht der Datenverwender gegenüber Konsumenten bei Datenschutzpannen.
    2. Mehr Schutz vor unerbetenen Werbeanrufen und eine ausdrückliche Zustimmung des Verbrauchers, bevor Werbung per E-Mail oder SMS zugeht.
    3. Nutzer von Web 2.0-Plattformen sollen auf ihre Daten im Web selbst zugreifen und sie löschen können.“

Datenschutzkommission: Regelungen für Facebook & Co.

8. Juni 2009

Wie Ö1 am Freitag (05.06.2009) berichtete, nimmt sich die Datenschutzkommission (DSK) des Themas Web 2.0 bzw. Soziale Netzwerke an. „Für den Rechtsschutz im Internet bräuchte man zusätzliche neue Regelungen“, so Waltraut Kotschy von der DSK.

Die Forderung nach solchen Regelungen bleibt zwar noch vage, weshalb eine mögliche Umsetzung noch unter vielen Fragezeichen steht. Wie aber aus dem Bericht ersichtlich wird, sind in jedem Fall bereits eine Reihe von Problemfeldern erkennbar, in denen Handlungsbedarf besteht. Dies wird durch bisherige Berichte über tendenzielle Risiken für den Privatsphärenschutz bzw. den Schutz personenbezogener Daten im Zusammenhang mit der Nutzung von „Social Software“ bestätigt. Besonderes Augenmerk gilt dabei aus Arbeit&Technik-Sicht den Regelungen in Bezug auf die Web 2.0-Anwendungen im betrieblichen Kontext bzw. im Kontext von Arbeitsverhältnissen allgemein (Link: Privatsphäre bei Facebook).

Das Thema nur durch (noch so augeklügelte) Regelungen anzugehen, wäre allerdings nicht zielführend. Begleitend gilt es, Informationsarbeit zu betreiben und Bewusstsein zu schaffen. In dieser Hinsicht ist nicht nur die Aufmerksamkeit, die die DSK dem Thema widmet erfreulich, sondern insbesondere auch die Aufklärungskampagne, die die DSK ab Herbst 2009 in den Schulen plant. Nähere Informationen dazu von DSK-Seite sind jedoch spärlich gesäht. Über welche Kanäle auch immer: es wäre wünschenswert, wenn Institutionen wie die DSK sich um die Bereitsstellung von aktuellen Informationen in leicht abrufbarer Weise bemühen könnten. Beispielsweise könnten auch die Möglichkeiten des Web 2.0 genutzt werden, ein Schritt, mit dem man sich auf den informationstechnischen Status Quo begeben würde. Gerade Einrichtungen, die sich mit Datenschutz beschäftigen, verfügen grundsätzlich über gute Voraussetzungen, technische Anwendungen beispielgebend – im Stile eines sowohl transparenten als auch bewussten Umgangs mit Informationen und Daten – einzusetzen.


„Als Freund hinzufügen? Privatsphäre bei Facebook“…

19. Mai 2009

… ist der Titel eines Artikels, der in der aktuellen Ausgabe der Kompetenz (5-6/2009, S.22f.), des Mitgliedermagazins der GPA-djp erschienen ist.

Facebook-Privatsphäre-Kompetenz

Facebook liegt im Trend. Immer mehr NutzerInnen greifen auf die Möglichkeiten der Vernetzung und Kommunikation in der virtuellen Welt des Internet zurück. Die vielfältigen Formen seiner Weiterentwicklung zum sogenannten Web 2.0 unterstützen diese Prozesse – und ziehen immer mehr User in seinen Bann.
Kommunikation im Rahmen virtueller Netzwerke geht in jedem Fall mit Informations- und Datenaustausch einher. Wo persönliche bzw. personenbezogene Daten im Spiel sind, treten auch Fragen des Privatsphärenschutzes ins Zentrum der Betrachtungen. Dies umso mehr, da die NutzerInnen von Plattformen wie Facebook in der Regel eine Vielzahl an personenbezogenen Daten zur Verfügung stellen und damit auch veröffentlichen, sich der möglichen Konsequenzen dieser Veröffentlichung jedoch nicht bewusst sind.

„Das Bedürfnis nach Informationsaustausch, dem Facebook nachkommt, prallt mit den Privatsphärenbedürfnissen der NutzerInnen zusammen. Der Datenaustausch
begünstigt Vernetzung und Informationsvielfalt. Daten ins Internet zu stellen heißt aber auch, sie zu veröffentlichen. Das Internet wirkt zudem wie ein Langzeitgedächtnis,
in dem Daten auf Dauer gespeichert sind“.

Bei all den gebotenen neuen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, der Informationsbeschaffung und des Austausches sollte daher der Notwendigkeit eines bewussten Umganges mit der eigenen Selbstpräsentation im Internet zunehmend Beachtung geschenkt werden. Das gilt besonders hinsichtlich des Auftretens gegenüber(künftigen) Arbeitgebern – die Fälle, in denen die Internetpräsenz von MitarbeiterInnen und BewerberInnen zum Problem wurde mehren sich.

  • „Kündigung nach Facebook-Besuch im Krankenstand“ berichtet „Die Presse.com“ von einem Fall in der Schweiz.
  • Wie hier bereits mehrfach berichtet setzen sich die Gewerkschaften für die Regelung diebezüglicher Fragen ein, beispielgebend die UNI-Europa P&MS mit dem Kodex „Online rights at work – A UNI Code of Practice“ (Entwurf). Derzeit ist allerdings noch nicht absehbar, wann entsprechende Regelwerke hier in der Praxis greifen werden.
    Kompetenzcover Maii 09Bei aller Unterstützung in fragwürdigen Fällen, die die GPA-djp ihren Mitgliedern anbietet, ist dennoch jede/r einzelne UserIn aufgerufen, alle Möglichkeiten zum Schutz seiner/ihrer eigenen Privatsphäre zu nutzen – und Facebook stellt hier mehr Optionen bereit, als vielen bewusst ist.  Einige grundlegende Hinweise dazu finden sich im oben zitierten Kompetenz-Artikel. Für weitere Hinweise sowie insbesondere bei Fragen der Regelung des Umgangs mit Web 2.0-Anwendungen im betrieblichen Kontext können Sie gerne auch mit uns, Abt. Arbeit und Technik, Kontakt aufnehmen.

    Links zum Thema:

  • Elke Radhuber: „Web 2.0. Virtuelle Kommunikation“, aus der VÖGB-Skriptenreihe „Soziale Kompetenz“.
  • Aktuelle Broschüre der Arbeiterkammer zum sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten im Internet: „Facebook, Myspace & Co. Soziale Netzwerke im Internet, Analyse und Tipps.“
  • Aktueller PC Welt-Artikel: Die richtigen Sicherheitseinstellungen für Facebook.
  • „Privatsphäreschutz in Soziale-Netzwerke-Plattformen“, Studie des Frauenhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT.

  • Wo formiert sich das Unternehmen 2.0? Eine Kulturfrage?

    14. Mai 2009

    In der unternehmerischen Nutzung von Web 2.0-Tools zeigen sich mittlerweile unterschiedliche Szenarien. Zwar lassen sich noch keine umfassenden Einschätzungen anstellen, aber auf den ersten Blick scheint der Umgang mit Blogs, Social Software etc. im Unternehmen interessanterweise mehr mit der geografischen bzw. kulturellen Verankerung von Unternehmen als mit anderen Faktoren wie zum Beispiel der Branchenzugehörigkeit zu tun zu haben. Das geht jedenfalls aus einem Artikel von Holger Schmidt für die FAZ.NET unter dem bezeichnenden Titel „Die Angst der Unternehmen vor Twitter“ hervor.

    Die Szenarien

    Dort: Neue Kommunikationskanäle, Vertriebswege und Geschäftsoptionen.

    „Wo Menschen sich unterhalten, wittern auch Unternehmen ihre Chance. Zum Beispiel Dell. Der amerikanische Computerbauer nutzt Twitter als Vertriebskanal und versorgt seine knapp 480.000 Follower mit speziellen Angeboten, die schon zu Umsätzen in Millionenhöhe geführt haben.“

    Hier: Reserviertheit, Skepsis, Angst vor Kontrollverlust.

    „Twitter stellt die Kommunikationspolitik vieler Unternehmen auf den Kopf. Wenn plötzlich einzelne Abteilungen mit dem Twittern anfangen, wird das Kommunikationsmonopol der Pressestelle durchbrochen.“

  • Link: Mehr zum „Unternehmen 2.0“..

  • Im Zuge der KV-Verhandlungen formiert sich die Gewerkschaft 2.0 weiter

    12. Mai 2009

    Die „Gewerkschaft 2.0“ formiert sich auch in Österreich in zunehmendem Maße. Web 2.0-Tools nehmen ihren Platz im Zuge gewerkschaftlicher Agenden ein und gewinnen damit auch hier an Bedeutung.

  • Aktuelles Beispiel: Die Live-Berichterstattung („Es IST Zeit!“) zur wieder aufgenommenen Protestaktion vor der Wirtschaftskammer Österreichs in Begleitung der nach wie vor stockenden Kollektivvertragsverhandlungen für die IT-Branche.
  • Weiteres Beispiel: Demoaufruf via facebook:
    „Wir verzichten nicht! Gegen Lohn- und Gehaltsverzicht. Für faire Einkommen auch in der Krise!“
  • Auch Werner Drizhal berichtet in seinem Blog der GPA-djp-Bildungsabteilung
  • Nachtrag:

  • Christian Voigt berichtet im eBetriebsrats-Blog von der Demo „Wir verzichten nicht!“ am 13. Mai 2009.
  • Fotos zur Demo sind auf Flickr gepostet.
  • Am GPA-djp-Channel auf youtube stehen Videos zu aktuellen Gewerkschaftsthemen bereit, unter anderem auch eines zur Demo am 13. Mai 2009:


  • „Web 2.0 and Online Rights“ – Fortsetzung in Wien

    18. März 2009

    Wie im Dezember 2008 von der Konferenz in Tallinn berichtet, beschäftigt sich die UNI-Europa P&MS in einem ihrer Projekte mit dem Thema „Web 2.0 and Online Rights“.

    Im Rahmen des Projektes fand bereits am 5. und 6. März in Wien eine Folgekonferenz organisiert von der GPA-djp-Interessengemeinschaft work@professional statt, an der rund 20 GewerkschafterInnen aus verschiedenen europäischen Ländern teilnahmen.

    Hier eine kurze Dokumentation in Form einer Linksammlung: